Warum China

China erahnen

Aus den Scherben der modernen Wissenschaft muss eine neue Welt errichtet werden; und Ost und West müssen sie gemeinsam schaffen.

Lin Yutang

Es waren visionäre Kosmopoliten wie Lin Yutang und Richard Wilhelm, die mir China und seinen geistigen Reichtum nähergebracht haben. Die Auseinandersetzung mit chinesischem Gedankengut, den unterschiedlichen Herangehensweisen und interdisziplinären Lösungsversuchen bleibt für mich eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Diese Denker und Autoren bekannter und ihre Idee vielleicht auch anwendbar zu machen, ist und bleibt das Leitmotiv meiner Arbeiten zu diesem Land und seinen Menschen.

Vordenker und Vorbilder

Lin Yutang

Lin Yutang (1895-1976) war ein unermüdlicher Schreiber und Übersetzer. Seine Zeit war von Turbulenzen und Kriegen geprägt. Dem hielt er seinen Lesern das humanistische Ideal aus Chinas Literatur entgegen, getrieben von dem Bemühen, eine Brücke der Verständigung, des Verstehens zwischen der westlichen und der östlichen Welt zu etablieren.

Ich denke, das Wort „Verständnis“ ist ein großes Wort. Es bestätigt die Verwandtschaft aller Menschen; mit all ihrer Liebe zu Wahrheit und Schönheit, und mit all ihren Torheiten und Schwächen.

Dank seiner Sprachbegabung machte er die Klassiker der chinesischen Literatur einem westlichen Publikum zugänglich und ließ in Kommentaren seine eigenen Beobachtungen aus seinen langjährigen Aufenthalten in den USA, Frankreich und Deutschland einfließen.

Richard Wilhelm

Lin Yutangs europäischer Seelenverwandter war Richard Wilhelm (1873-1930), Theologe und Lehrer in der Stadt Qingdao an der Ostküste Chinas. Wilhelms Übersetzungen der Texte von Konfuzius, Laotse und des „I Ging“ (Buch der Wandlungen) gelten bis heute als exemplarisch. Auch Wilhelm schrieb gegen die Wirren seiner Zeit an: Bereits ein Jahr nach seiner Ankunft in China brach 1900 der Boxeraufstand aus; während des japanisch-chinesischen Kriegs und unter japanischer Besetzung konnte er seine Arbeit in der Schule nur unter Schwierigkeiten fortsetzen.

Unsere Zeit hat etwas Furchtbares. Alles Ehrwürdige, Festgefügte beginnt zu weichen und zu stürzen. Aber auch wenn das Sterbliche an Konfuzius in dieser neuen Welt sich auflösen wird: Das Ewige an ihm, die große Wahrheit von der Harmonie zwischen Natur und Kultur, wird bleiben und wird der neuen Weltanschauung und Menschengestaltung einen starken Antrieb geben.