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Böser, korrupter Westen

von Verena Nowotny

Fast könnte man glauben, Herr Zhao Lin vom Institute of China Supervision hätte in der Bibel nachgeschlagen für einen Kommentar, den er auf der Website von Chinas oberster Anti-Korruptionsbehörde veröffentlichte: "Den Reinen ist alles rein; den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist ihr Sinn sowohl als ihr Gewissen." (Titus 1:15)

Zhao Lin analysiert in seinem Kommentar - angeregt durch die enorme Popularität der Netflix-Serie "House of Cards" in China - die Auswüchse von Korruption in den USA. Dass er diese brillante Abrechnung mit dem gängigen politischen System des Westens dazu nutzt, um die Heimat der Korruption in der westlichen Hemisphäre zu lokalisieren und damit die Wurzel allen Korruptionsübels diesem Erdteil anzulasten, ist - freundlich formuliert - ein etwas kühner Spin, wie Bree Feng in seinem Artikel in der New York Times (englisch) durchaus süffisant anmerkt. Zhao Lin könnte zwar berechtigterweise ein weiteres Bibelwort - "der werfe den ersten Stein" - bemühen; doch als ausgewogene Kritik wird sein Beitrag wohl nicht in die Geschichte eingehen.

Der Kommentar zum Buch

von Verena Nowotny

In eigener Sache: hier ein Kommentar in der Wiener Zeitung anlässlich der Veröffentlichung des Buches, das ich gemeinsam mit Roland Benedikter verfasst habe. Ich hoffe, es weckt Interesse auf mehr!

Sind Chinesen pragmatischer als Amerikaner?

von Verena Nowotny

In einem klugen - und aus US-Perspektive sehr selbstkritischen - Kommentar in der New York Times (englisch) beschreibt der Philosophie-Professor Stephen T. Asma das unterschiedliche Verständnis von Chinesen und Amerikanern anhand der chinesischen Sitte, so genannte "rote Briefchen" (hongbao) mit Geldzuwendungen zu übergeben. Dies passiert nicht nur bei Familienfesten, sondern auch um etwa einen Arzt vor der Behandlung freundlich zu stimmen. Asma spürt der Frage nach, ob das, was im Westen oft als Korruption eingeschätzt wird, in Wahrheit nicht eine - ursprünglich in den USA hochgehaltene - Form des Pragmatismus sei.

Zusammenarbeit auf asiatisch?

von Verena Nowotny

Der wie immer durchaus provokant formulierende GIFT-Gründer Chandran Nair verwehrt sich gegen den Automatismus, dass die USA stets die Weltpolizei spielen müssten, sondern plädiert für eine neue Form der Zusammenarbeit in Asien. Hier seine durchaus spannenden Gedanken (englisch).

Der Traum von der Stadt

von Verena Nowotny

Das britische Wochenmagazin Economist sowie der angeschlossene Thinktank Economist Intelligence Unit befassen sich ausführlich mit den Urbanisierungsplänen und -träumen der chinesischen Führung. Ein guter Überblick über die Chancen und Risiken sowie die regionale Realität.

In China ist Allah eher klein

von Verena Nowotny

Wie lebt es sich als Muslime in China? Ein Streifzug zu Shanghais Moscheen und Gespräche mit einer Vertreterin der Hui-Minderheit.

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Luodian: Wohnst du noch oder lebst du schon?

von Verena Nowotny

Der Stadtteil Luodian im Norden Shanghais mit seinen Stockholm nachempfundenen Gebäuden hat verwirrende bis absurde Aspekte. Noch fehlen für viele der neu errichteten Wohnblöcke die Bewohner, doch schlussendlich kann diese Form der Stadtentwicklung durchaus funktionieren.

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Allerheiligen outgesourct

von Verena Nowotny

Am 5. April findet das chinesische Allerheiligen (Qingming) statt, doch für viele ist es zeitlich oder finanziell nicht machbar, die Gräber der Vorfahren zu besuchen. Not macht erfinderisch: so bieten diverse Online-Firmen das Service an, die Gräber anstelle der Angehörigen zu besuchen und den Verstorbenen Respekt zu erweisen, wie Mia Li in der New York Times (Englisch) beschreibt. Ob das wirklich helfen kann, alte Traditionen zu bewahren, sei mal dahingestellt...

Ein Preisschild mit 12 Nullen

von Verena Nowotny

Eine Zahl mit 12 Nullen. Das sind die Kosten, die die chinesische Regierung für die ambitionierten Urbanisierungspläne veranschlagt, mit denen die Stadtbevölkerung bis 2020 auf 60 Prozent angehoben werden soll. Das Preisschild, das vom Finanzministerium nun verlautbart wurde, sind 42 Billionen Yuan (umgerechnet knapp 5 Billionen Euro).

China Digital Times gibt in einem Artikel (Englisch) einen Überblick über die aktuelle Diskussion zu diesem Megaprojekt.

Erste Ansätze einer Justizreform

von Verena Nowotny

Auch wenn das Primat der KP über das Justizsystem in China keineswegs in Frage gestellt wird, wurden beim jüngsten Nationalen Volkskongress dennoch einige Reformansätze diskutiert - so ein Bericht in der New York Times (Englisch). So setzte sich der Höchstrichter Zhou Qiang für eine unabhängige Justiz ein - seine Vorschläge sind zumindest ein weiterer kleiner Schritt in Richtung mehr Rechtsstaatlichkeit.